Teil eines Werkes 
1. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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Liſt zu befreien ſich erkühnen gewollt, zur Strafe ſeines Frevels in dieſem Kerker zurück.

Himmel! ſchrie Eva, außer ſich gerathend. Colin, Euer Landsmann, mein edelmüthiger Freund! Iſt, wie es ſcheint, rettungslos verloren.

Allmächtiger Gott, wo iſt Deine Gerechtig⸗ keit! ſchrie die ſchwer geprüfte Dulderin. Wo find die Blitze Deines Zornes, der die menſchliche Un⸗ gerechtigkeit zu Boden ſchlägt? Er, der im Beſitze ungetheilter Macht mir den Vater gewaltſam aus meinen Armen reißen ließ, hat, um das Maaß meiner Leiden überfließen zu laſſen, mir jetzt auch den theuerſten, edelſten, aufopferndſten meiner Freunde geraubt!

Gebt darum nicht alle Hoffnung auf Schei⸗ dend von meinem armen Landsmann, der aus dem Munde des verdammten Italieners das Urtheil ſeiner lebenslänglichen Gefangenſchaft mit bewundernswür⸗ diger Ruhe und mit dem ganzen Stolze eines gott⸗ vertrauenden Märtyrers vernahm, ſcheidend aus dem Kerker meines Freundes, deſſen Strafe ich zu theilen bereit war, gab ich ihm, als ich mich dieſer Ehre und Gunſt grauſam beraubt ſah, gab ich ihm den Rath, ſich an den Kaiſer zu wenden, und deſſen Gnade zu erflehen.