Teil eines Werkes 
1. Band (1856) Kaiser Rudolph II. und seine Zeit
Entstehung
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Dort fiel ihr Blick auf die Blumenvaſe.

Der blitzſchnellen Eingebung ihres dankgerührten Herzens folgend, nahm ſie eine dieſer Blumen und ſchenkte ſie ihm mit den Worten:

— Sie hat geblüht und iſt verwelkt. Verwelkt wie alles Irdiſche im Leben. Aber meine Freund⸗ ſchaft, meine Dankbarkeit für Euch wird ewig fort⸗ blühen in dieſem Herzen, das Euch nie vergeſſen mag. Nehmt dieſe arme bleiche Roſe und bewahrt ſie als Erinnerung an mich!

— Ach, Fräulein, Fräulein, ſchluchzte der Bild⸗ hauer.

— Sprecht, was bewegt Euch ſo mächtig?

Colin vermochte das Geheimniß nicht länger zurückzuhalten. In überſtrömendem Gefühle geſtand er:

— Dieſe Blumen, Fräulein, kamen von mir!

— Von Euch und nicht von Ihm? O dann haben ſie wieder neuen Werth, neuen Zauber für mich! Ihr gabet mir tauſend blühende; ich, Aermſte, ſchenkte Euch(ſie wiederholte abſichtlich ſeine eigenen Worte) als„Tribut der Freude eines dankerfüllten Herzens“ eine dafür, die eben ſo verwelkt als der Frühling dieſes Herzens iſt. Verſchmäht nicht die⸗ ſen unſcheinbaren Talisman; er wird Euch Glück und Segen bringen.