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1798 hatte Giuſeppa in Venedig debutirt, war dann als Primadonna nach Neapel gegangen und von dort einem glaͤnzenden Ruf nach Mailand ge⸗ folgt. Signora Graſſini ſtand jetzt, kaum 23 Jahre alt, in der Maienbluͤthe ihres Lebens, im Zenith ihrer Schoͤnheit. Nicht mit Unrecht hatte ſie ein Dichter, der ſie beſungen, Italiens Caͤcilia genannt. Sie war in der That eine der ausge⸗ zeichnetſten Schoͤnheiten Europas. Ihre großen, ſchwarzen Augen, den Sternenglanz einer italieni⸗ ſchen Sommernacht ausſtrahlend, ihre ſchwellen⸗ den Lippen— uͤppige Korallenzweige, die Perlen ihrer Zaͤhne beſchirmend— ihr duftiger Teint, wetteifernd mit dem keuſchen Weiß der Lilie— ihr reizender Wuchs, ihr gracieuſes Benehmen, dies Alles bildete ein Bouquet unwiderſtehlicher Reize. Leicht erklaͤrbar, daß Giuſeppa Graſſini die angebetete Sonne aller Dilettanten war.
Auch dem Kaiſer ſchien ſie zu gefallen, denn als ſie zum zweiten Mal erſchien, um eine Arie von Zingarelli vorzutragen, nahm Napoleon, was er ſonſt nie zu thun pflegte, das Opernglas der


