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Nicht aus Liebe, nur aus Furcht und Eigen⸗ nutz gab ſie ihre Reize auch dem Mann des Schreckens Preis. Dieſer aber liebte ſie, liebte ſie mit der ganzen Raſerei der erſten Liebe und war gluͤcklich, durfte er in ihren Armen ruhen, ſelig, durfte er an ihren Lippen ſchwelgen.
Wohl wußte er, daß er dieſe Gunſt mit Vielen theilen mußte und dennoch liebte er ſie, denn ſie war ſo ſchoͤn, ſo uppig, ſo reizend, ſo verfuͤhreriſch ſchoͤn.
— Heute Morgen, ſagte Robespierre, als er
ſich zu ihr auf das Sopha ſetzte, habe ich Deinen
lieben Brief erhalten. Du verlangſt 2000 Francs von mir. Es ſchmerzt mich, Dir ſagen zu muͤſſen, daß ich Deinen Wunſch in dieſem Augenblick nicht erfuͤllen kann.
— Warum nicht, Robespierre?
— Du kannſt noch fragen, Theure? weil ich
ſo viel nicht habe.
— Wie, Du, der Dictator, dem alle Kaſſen von ganz Frankreich vffen ſtehen, Du ſollteſt eine Bagatelle wie dieſe nirgends auftreiben konnen??


