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von Haus zu Haus, zum aͤrgſten meiner Feinde, aber leben, leben will ich! Ach Leben, wie biſt du doch ſo ſchoͤn, ſelbſt in der ewigen Nacht des Kerkers!..
Ihr Schmerz, der ſeinen Gipfel erreicht, loſte ſich in Thraͤnen auf. Sie weinte, weinte lang und bitterlich, fing dann wieder zu toben und zu raſen an, verfluchte Robespierre und die ganze Republik mit ihren tauſend Schrecken, haͤufte Verwuͤnſchung auf Verwuͤnſchung und verfluchte zuletzt ſich ſelbſt.
Ohnmaͤchtig ſank ſie auf ihr Lager zuruͤck. Da ertoͤnte die Glocke der Conciergerie. Sie zaͤhlte mit Todesangſt die langſam aufeinander⸗ hallenden Schlaͤge.
— Neun Zehn Eilf!
Ihr Ohr, ihr Auge, jeder Nerv ihres Koͤrpers lauſchte die Glocke hatte ausgeſchlagen.
— Nur eine Stunde, nur eine einzige kleine Stunde noch.. Gott, barmherziger Gott, hemme das Rad der Zeit, laͤhme ihre Fluͤgel und laß jede Minute einen Tag waͤhren... Noch ſechszig Tage haͤtte ich dann zu leben... und in ſechszig


