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Das Maädchen naͤherte ſich ihr mit niederge⸗ ſchlagenen Augen und ſchamgeroͤtheten Wangen, denn ſie war bei alledem noch nicht ſo verdorben, daß ſie nicht gefuhlt hatte, daß ſie in den Schlamm der Suͤnde wate und Urſache zum Erroͤthen habe.
Die Gourdan wiſchte ſich erſt die Naſe, ſetzte dann wieder die Brille auf und betrachtete erſt vom Scheitel bis zur Zeh das Aeußere der Mo⸗ diſtin, muſterte die bloßgeſtellten und pruͤfte dann die verhuͤllten Reize.
Tiefe Roͤthe lag auf den Wangen des armen Maͤdchens, das ſich ruhig unterſuchen ließ. Gern haͤtte ſie der Frechen Ohrfeigen gegeben— aber was haͤtte die Arme, wenn ſie kein Obdach ge⸗ funden, anfangen ſollen?
— Wie alt biſt Du, mein Kind? fragte die Gourdan und firirte ſie mit ihren grauen Augen.
— Siebenzehn Jahre.
— Wie heißt Du?
— Marie Gomart de Vaubernier*).
Marie Jeanne Gomart(geb. am 19. Aug. 1746 zu Vaucouleurs, der Geburtsſtadt der Jungfrau von Or⸗
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