— ——
222
Das kann ich nicht, Acevedo, erwiederte ſie— aber vergeſſet nicht, daß ſo leicht der Menſch irren kann.
An erprobter Treue ſollte er nie zweifeln.
Wohl; allein den falſchen Zungen iſt Vieles möglich.
So nennt mir ſie, meine Königin!
Das kann ich nicht, Arevedo, ich ſagte es Euch ſchon. Ohnedem würde es ja auch das Geſchehene nicht unge⸗ ſchehen machen. Verzeiht, und meine ganze Werthſchäz⸗ zung, mein ungetheiltes Vertrauen ſoll Euch entſchädigen.
Es ſey, ſprach Acevedo— doch eine Frage müßt Ihr mir beantworten: Wo iſt Gabriel, mein Sohn?—
Katharina ſchlug den Blick nieder. Man ſagte, es ſey ein Mädchen? ſprach ſie kleinlaut.
Und wenn ſie das geweſen, und wenn ich mein Kind in Männerkleidung barg, um ſie vor den teufliſchen Nach⸗ ſtellungen Eurer Edelleute— ja Eures Sohnes— ſichern zu können— was that das?— wo iſt ſie?—
Gott weiß es. Sie verſchwand, wie Anjon mir ſagte, und nur ſo viel konnte ich erfahren, daß eine alte Zigeunerin ſie mit ſich fortgenommen, aber dann mit ihr ſpurlos verſchwunden ſey.
Da kam Frieden in des Greiſes Herz. Sie war gerettet, das wußte er nun mit Gewißheit.
Katharina that Alles, was ſie vermochte, ihn zu ge⸗
winnen.
Sie ließ ſich nun mit ihm in ein Geſpräch über den jetzigen Stand der Verhältniſſe ein, und ſprach ein Pro⸗ jekt aus, das ihre Seele ſchon längere Zeit beſchäftigte, nämlich Margarethen von Valvis mit Heinrich von Bearn zu vermählen, und dadurch die Hugenotten in ihr In⸗ tereſſe zu ziehen.


