werden, ohne welches man an dem Hauptbadeplatze nicht baden darf, und endlich iſt ein Badediener zu miethen, ein ſogenannter Baigneur,*) welcher in das Bad den Badenden begleitet und ihm die nöthige Handreichung thut. Zu allerletzt endlich muß man, um bei üblem Wetter ein Obdach zu haben und überdies deutſche Zeitungen, ſich in dem Cercle du Phare abonniren, mit andern Worten, gegen eine beſtimmte Zahlung ſich die Erlaubniß erwerben, in dieſen geſchmackvoll eingerichteten Räumen ſich aufhalten zu dürfen, wo denn auch leibliche Erquickung zu verhältnißmäßigen Preiſen gereicht wird.
Endlich waren gegen zehn Uhr alle dieſe Geſchäfte vollendet und ich trat gegen die Bruſtwehr, welche hier den Rand des Dammes umgibt, wo die Holztreppe nach dem Strande führt. Ganze Reihen von Badekabineten ſtanden am Strande oder im Meere. In ſeinen Fluthen wimmelte es von Badenden. 46 Da ich noch nicht baden durfte, indem die Zeit des Frühſtücks noch zu nahe lag, lehnte ich hier und ſah mir das eigenthümliche Treiben am Strande an.
Zunächſt da, wo der Damm den weit ausbiegenden Halbkreis bildet, auf deſſen Rundung der hohe Leuchtthurm ſein Fundament hat, war das regſte Leben vereinigt. Unaufhörlich ſah man Herren und Damen die Stiege hinabſteigen, oder rückkehrend vom Bade herauf. Neben der Treppe ſtanden die langen Tiſche, auf denen die getrockneten Badekleider lagen, die für Jeden bezeichnet ſind. Baigneure und Baigneuſen liefen umher in geſchäftiger Eile; die zum Reinigen der Badekabinete beſtimmten Frauen und Mädchen waren hier und da mit ihrem Geräthe gruppirt oder thätig. Auf dem weit ausgedehnten zarten und doch feſten Sandboden des Strandes luſtwandelten Herren und Damen in heiterem Geſpräche; Andere ſaßen in Gruppen auf Stühlen und ſtrickten, ſtickten oder
*) Mit dem Namen Baigneur bezeichnet man in Oſtende den Badediener,
welcher den Badenden in's Meer begleitet und ihm die nöthige Hand⸗
reichung thut. Baigneuſen werden die Badedienerinnen für weib⸗ liche Badende genannt.


