ſind. Die prachtvollen Gotteshäuſer mit ihren weitausſchauenden Thürmen und prächtigen Steinmetzarbeiten ſind Denkmale deutſcher Kunſt und deutſcher Frömmigkeit. Tauſendfach wird das Herz gemahnt an das Vaterland, dem es die ächzende Locomotive pfeilſchnell mehr und mehr entfremdet. An Mecheln, Gent und Brügge flog ich vorüber, als die ſinkende Sonne ihre Thürme zu vergolden begann, ihre nähere Beſchauung der Rückkehr verſparend.
Bald erblickte das Auge die Dünenkette, die das Meer verbirgt und die wunderbareSchutzwehr bildet, die dem räuberiſchen Elemente des Waſſers verbietet, hereinzubrechen in das flache Land, wo der Menſch ſich angeſiedelt hat und welches der menſchliche Fleiß dem Sande abrang, der alles Pflanzenleben ertödtet. Sie ſäumen den Horizont; aber ihr Anblick iſt öde und eintönig, und ſie ſind in ihrer gelben Farbe recht geeignet, die Sehnſucht nach den bewal⸗ deten Hügeln und Bergen des Vaterlandes zu wecken und zum Heimweh zu ſteigern. Ich gab mich ſolchen Erinnerungen hin, weil das Ange wenige Punkte mehr fand, auf denen es weilen mochte,
und weine Seele war dort, im ſchönen, rheiniſchen Lande—
Da rief der Wagenführer:„Oſtende!“ und ich war der Wirk⸗ lichkeit zurück gegeben.—
Wir ſtiegen aus. Das Gepäck wurde abgegeben, und bald befand ich mich im Gaſthofe zur Krone in Oſtende, der am Hafen liegt, ganz nahe der Eiſenbahn; wo deutſche Kellner und Diener mir entgegen kamen,—(indeſſen, wie deutſchredende„Commiſſioners,“ bei uns zu Lande: Lohnbediente, gerade diejenigen, vor denen der Fremde ſich am Meiſten zu wahren hat, die überhaupt eine nicht empfehlenswerthe Sorte zu ſein pflegen). Der Leib empfing ſeine Erquickung und dann beherrſchte nur noch Eins meine Seele, das Meer. Ich hatte es noch nie geſehen. Zu ihm hin zog mich eine unwiderſtehliche Sehnſucht. Ich ſchritt die Rue de la Chapelle hinauf, um möglichſt ſchnell den Hafendamm zu erreichen; bog, dem Strome der Menſchen folgend, links ab; überſchritt die Brücke des
Die Sprache heimelt an. Es ſind die Klänge, die wir lieb. gewannen in den alten Dichterwerken, die unſer nationaler Schatz


