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dem ſchönen Hollunderbaume geſeſſen, der ſo herrlich duftete, und habe der Nachtigall gelauſcht, die in ſeiner Krone ſaß und ſchlug, und habe meine Grüße dem dort unten fließenden Rheine mitge⸗ geben; denn er küßte⸗ tiefer hinab, das grüne Ufer, wo das Vater⸗ haus ſtand, darinnen das liebe, ſanfte Mutterherz meiner ſegnend gedachte.
Das war aber ein Hollunderbaum, wie ich meiner Lebtage keinen zweiten mehr geſehen. Sein Stamm hatte wenigſtens anderthalb Schuh Durchmeſſer und ſeine Krone reichte bis zum Rundbogen der Kirchenfenſter hinauf, und war kein dürres Aeſtchen än ihm
Der Kirche gegenüber, aber tief unten, zur Seite des Dorfes, lag das Pfarrhaus. Darin wohnte mein Bruder, der junge, ledige Pfarrherr, und die lateiniſche Grammatik;— er, gut, freundlich, milde, mein Lehrer und Freund; ſie— ledern— regelreich— der Erbfeind meines Jugendglückes. Wie manchmal nahm ich ſie mit unter den blühenden Hollunderbaum, um eine Regel niet⸗ und nagelfeſt zu machen in meinem Gedächtniſſe; aber dann flogen die Augen hinaus in die Landſchaft, ruhten auf den Thürmen der alten Burg, die den Eingang des Thals am Rheine beherrſchte, oder
auf dem blauen Streifen des Rheins, oder auf den herrlichen
Bergen— und bald lag das Alles unbeachtet und die Bilder einer phantaſtiſchen Welt umſchwärmten meine Seele, und ich träumte mit wachendem Auge. Kam ich dann wieder zur Grammatik zurück, ſo wünſchte ich ſie hinab in die Fluthen des Rheins oder zu den Schläfern hinab in die Gräber, die mich umgaben. Ach, das Lernen der grammatiſchen Regeln und das friſche Bubenherz ſind zwei Dinge, die nicht Friede ſchließen werden, ſo lang es beide auf Erden gibt!—
Außer dem Hollunderbaum, in dem die Goldkäfer und Bienen
ſo träumeriſch ſummten und die Nachtigall ſchlug, hatte ich noch ein Lieblingsplätzchen, wohin ich allemal rannte, wenn Beſuch s kam und alſo freie Stunden eintraten. Adien Ich lief ſpornſtreichs in die— Dorfſchmiede. Sie


