Jugenderinnerungen gleichen in ſpäteren Lebenstagen dem Abendroth, das noch langehin ſeinen verklärenden Schein auf die ruhende Landſchaft wirft, wenn die Sonne längſt hinabgeſunken iſt.
Auch ich blicke oft ſehnfüchtig in dieſes Abendroth; auch ich fühle das Wohlthätige dieſes milden Scheines bei herannahender Dämmerung. Aus meinen Knabenjahren taucht mir bisweilen ein Bild auf, das ich hier feſthalten will.—
Wo ſich die Höhen des Hunsrückens abdachen zum tiefen Rinnſal des Rheines, ziehen ſich gar liebliche, aber oft auch gar wilde Thäler und Schluchten hinab zu dem ſchönen Flußthale. Gießbäche durchrieſeln ſie. Die Sonnenſeite der Berge iſt vom Fuße bis zum abgeflachten Gipfel mit dem Grün der Rebe bedeckt, während die Abendſeite Pflanzfelder bietet, und ein Hain von Obſtbäumen in der Nähe der Dörfer zu ſchauen iſt, unter denen rieſige Wallnußbäume ihre Laubkronen emporrecken. Dieſe Dörfer, aus uralter Zeit herſtammend, ſind der Art in dieſe Schluchten hineingeklemmt, daß man oft aus dem Speicher dreiſtöckiger Häuſer in das Feld tritt.
Nichts iſt köſllicher, als das Leben in dieſen Thälern, wenn der milde Hauch des Frühlings ſie durchweht. Schaaren von Singvögeln bewohnen die dichten Büſche, welche an Säume der Bäche wachſen oder droben auf den Felſen, die hin und wieder gruppenweiſe aus dem mit Sorgfalt gepflegten Pflanzland empor⸗ ſtarren. Die zahlreichen Obſtbäume der Abendſeite der Berge
bieten ihnen herrliche Wohnſtätten. Das iſt ein Singen und
Jubiliren überall, wie man's kaum ſonſtwo hören kann. Blühen dann die Obſtbäume und grünen die Felder; bekleidet ſich die Rebe mit ihrem ſammtenen Grün und trägt die Abendluft die Duft⸗


