je reicher und kecker das geſchieht, deſto lieber hat der Jung ſein
Mailehen.“
„Das mag aber oft eine bunte Wirthſchaft geben,“ ſagte ich, „wenn Zwei ein Mädchen lieb haben!“
„Kommt auch vor,“ verſetzte er,„und ich will Euch nachher eine Geſchichte erzählen, die ich erlebt habe; allein in der Regel herrſcht Ordnung und der Schultheiß verſteht ſein Amt. Findet Einer ein Mädchen und einen Burſchen, wenn's dunkel iſt, bei ein⸗ ander, ſo darf er ihm den Hut oder die Kappe nehmen, die dann verkauft wird, zur Schande des Pärchens. Manchmal gibt's auch Prügel mit dem„Schnutholz,“ dem Stocke nämlich, denn„zum Mädchen gehen,“ heißt hier zu Lande:„auf die Schnut gehen.“
„Kommit aber, was jedoch gar, gar ſelten geſchieht, ein Fehl⸗ tritt vor, dann Adieu! dann wird die Dorflinde, unter der ſie erſtei⸗ gert wurde, als Mailehen— geſcheuert; das Pflaſter, auf dem ſie getanzt, aufgeriſſen und umgepflaſtert. Herr, man nimmt's ſcharf bei uns im Thal, und Gottlob! es ſteht gut, was Zucht und Sitte betrifft. In der Kirche iſt noch ein Stuhl für gefallene Mädchen und das Häckſel wird ihr zu Neujahr geſtreut und der Strohmann ſteht ſicher an ihrer Thüre.“
Wir waren unter dieſem Geſpräche glücklich im Thal angelangt, und ich war tüchtig müde. Der Abend war aber ſo lau und mild; das Mondlicht zitterte ſo ſchön durch die Bäume, die Nachtigallen jubelten an den Büſchen und die Ahr rauſchte ſo eigenthümlich⸗
daß ich gar keine Luſt nach der Wirthsſtube fühlte. Ein Felsblock
lud zum Sitzen ein. Ich nahm Platz und mein Alter ſaß raſch an
meiner Seite.
„Ihr ſeid mir noch die Geſchichte ſchuldig,“ ſagte ich.„Es iſt ſo wunderhübſch hier, wollt Ihr mir ſie nicht erzählen? Mor⸗ gen bin ich ſchon wieder über die Berge, weit weg von hier.“ Ich reichte ihm eine Cigarre; aber er ſagte:„Behaltet das Ding, ich danke Euch. Mein Stimmelchen iſt mir lieber und die Geſchichte ſollt Ihr hören.“ ℳ
Er klopfte das Pfeifchen aus, ſtopfte aus ſeinem langen Leder⸗
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