Teil eines Werkes 
3. Band (1869)
Entstehung
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Die Zeit des Mittageſſens benutzte Dora, in aller Kürze ihrem Oheim die Leidens⸗ und Liebesgeſchichte des Frater Heinrich zu erzählen. Leider kam ſie allzu ſchlecht an. Doctor Anſelmus rückte ungeduldig auf ſeinem Stuhle herum und wollte nichts hören.

Es iſt zu beklagen, ſeufzte Dora,wie ſchwer der arme Novize jetzt ſeinen Irrthum büßen muß.

Der arme Novize! höhnte Doctor Anſelmus.Es geſchieht ihm gerade recht, wenn er ſeine einfältigen Streiche büßen muß. Aus dem Kloſter hilft ihm ſein Leben lang Niemand mehr heraus.

Das iſt ja das Traurige, ſagte Dora; ihr Oheim aber ſtand ſcheltend vom Tiſche auf, ſeine Nichte hatte ihm glücklich allen Appetit zu vertreiben gewußt.

Nicht umſonſt hoffte dieſe darauf, daß er nun dem Schlummer ſein gewohntes Opfer bringen werde, und machte ſich, ſobald Alles ſtill war, auf, in den Garten zu eilen, wo ſie Frater Heinrich mit Beſtimmtheit er⸗ warten zu dürfen glaubte. Ihr Oheim lag, das ſchönſte Bild des Friedens, auf dem Bette, gliedergelöſt und langgeſtreckt, die Augen geſchloſſen, leicht athmend. Sachte ſchlich ſie ſich durchs Zimmer an ihm vorbei, kein Sandkörnchen knirſchte verrätheriſch unter ihren kleinen Füßen, und eben legte ſie die Hand auf die Thürklinke, den Blick unverwandt auf ihren Oheim