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deckt von wogenden Getreidefeldern, aus denen im Strahle der leuchtenden Sonne da und dort der Main wie ein Silberband aufblitzte. Rechts vom nahegelegenen Gebirg ragte das Schloß der benachbarten Stadt mit ſeinen ſtolzen röthlichen Thürmen aus dem Dunkel der es umgebenden Anlagen und Gärten hervor, links ward die gewerbfleißige Stadt Hanau und weiter hinten ſelbſt die Kuppel des Frankfurter Doms ſichtbar. Nach Sü⸗ den war der Blick durch die Berge des Rheingaus, nach Norden durch den Taunus begrenzt.
Dora blieb lange im Anſchauen verſunken, nur dann und wann eine Frage an ihren Begleiter richtend, wenn ſie da oder dort aufs neue einen Kirchthurm oder ein Waſſer ihrem Blick entgegenleuchten ſah. Aber der Novize drängte zum Aufbruch.
„Kommen Sie“, ſagte er,„wir haben noch Schöneres zu ſehen.“
„Unmöglich“, rief Dora. Und doch behielt der No⸗ vize Recht.
Sie ſchritten zwiſchen den beiden Mauern des Ring⸗
walles, über und neben dem ſich nun hochwipflige, breitſchattige Bäume erhoben, um die eine Seite des
Berges herum und gelangten bald an einen mit Bän⸗ ken bezeichneten Ruhepunkt, von dem aus die nach Weſten gebotene Fernſicht einen von dem frühern we⸗


