Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
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Dora wünſchte dem Geſpräche eine andere Wendung zu geben.

Was Sie vorhin ſagte ſie,hinſichtlich der Frauen bemerkten, daß man nämlich ſie zu entbehren ver⸗ ſtehen müſſe, muß man doch vor dieſen ſelbſt zu ver⸗ bergen wiſſen.

Gewiß, gewiß, doch glauben Sie mir, die Frauen empfinden das, auch ohne es mit dürren Worten ein⸗ geſtunden zu hören. Sie haben hierfür einen merk⸗ würdig feinen und ausgebildeten Sinn.

Mich intereſſirt ſehr, was Sie da ſagen, fuhr

Dora fort.Halten Sie aber nicht denjenigen für un⸗ glücklich, der ſo ohne Ueberwindung zu entbehren und zu entſagen vermag, vorausgeſetzt, fügte ſie leiſer bei,daß die Liebe wirklich ein ſo hohes Gut iſt, als man gemeinhin ſagt?

Im Gegentheil, ich halte denjenigen, der ſich zu dieſer Entſagung, zu dieſem Entbehrenkönnen durch⸗ gearbeitet hat, für den glücklichſten Menſchen. Denn nun erſt iſt er ſich der Stärke recht bewußt, in der er feſtgegründet ſteht.

Das nennen Sie ein Glück? fragte Dora zweifelnd.

Ja, weil der Mann, der die Liebe entbehren kann, die ihm geſchenkte um ſo wärmer zu empfinden, um ſo mächtiger zu erwidern vermag.

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