Oeffentlichkeit kommen zu laſſen. Alles wurde in moͤglichſt milden Farben dargeſtellt. Indeß mußte man doch dulden, daß das öffentliche Mitleid zum Beſten der Ungluͤcklichen an⸗ gerufen wurde und daß man allenthalben Sammlungen zur Unterſtuͤtzung der Bedraͤngten veranſtaltete.—
Es that Heinrich faſt weh, als er ſich von Seiten der Schloßbewohner mit wahrer Freude bewillkommt ſah,— konnte er doch ſicher ſein, daß ſich dieſes Wohlwollen bald in Haß verwandeln werde. Man wufßte nicht, daß er zu der unbehaglichen Stimmung, welche ſeit einiger Zeit im Kreiſe der Familie herrſchte, ſehr viel beigetragen hatte. Man er⸗ innerte ſich nur, daß man heitrer geweſen ſei, als er das Schloß bewohnte und daß ſeit ſeinem Abſchiede Alles anders geworden war. Daran trug freilich der Baron die naͤchſte Schuld, aber man mochte ſich dies nicht geſtehen. Die von den Eltern ſo eifrig unterſtuͤtzte Bewerbung jenes Mannes wuͤrde zwar in jedem Falle den Frieden getruͤbt haben, allein gewiß nicht in ſo hohem Grade, wenn nicht ein Andrer, Heinrich, das Herz der jungen Graͤfin bereits beſeſſen haͤtte.
Der Baron war der erſte, den Heinrich erblickte, als er zur Schloßpforte eintrat, denn Ollersdorf ritt in dieſem Augenblick heraus.
„Ah, guten Morgen!“ rief er dem Ankoömmling ent⸗ gegen, als er dieſen erkannte, und dabei reichte er Heinrich die Hand und zeigte uberhaupt eine Freundlichkeit und gute Laune, die ſonſt nicht an ihm bemerkt worden war.„Man hat hier viel an Sie gedacht und wird ſich freuen, daß Sie der Reſidenz endlich uͤberdrußig ſind. Wie ſteht's dort?“


