Teil eines Werkes 
1. Band (1870)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

208

Die Wirkung dieſer langſam und leiſ e geſprochenen Worte war eine mächtige, wenn auch durchaus ver⸗ ſchieden auf beide Hörer. Der Graf erröthete wie ein junges Mädchen, dem man das Geheimniß ſeines Herzens abgelauſcht; der Oberſt ſtand ein paar Augen⸗ blicke wie unter der Wirkung von etwas durchaus Unerwartetem. Dann heftete er ſein Feuerauge faſt zornig auf die Wahrſagerin und ſagte mit einem un⸗ endlichen Ausdruck von Spott und Verachtung:

Ein Weib? Da nehm' ich raſch mein raſches Lob zurück!

5 Sibylle Cuhig und unbeirrth.

Ein Weib, von Liebenswürdigkeit und Wahrheit Unfloſſen wie von Himmelsklarheit! Das in des Mannes klarem Blick Erkennt des eignen Glückes Quelle; Das, ſeinen Adel in der Seele Und ſeinen Reichthum im Gemüth, Ein Schutzgeiſt wird für jede Schwelle, Dahinter ihm die Heimat blüht. Es ſtrahlt ins Erdendunkel Helle Dem Stertie gleich, der mit Euch zieht, Geh' Euer Weg bergan, thalein. 8

Oberſt(ungeduldig bald ſie, bald ihn fixirend erſt leiſe, dann laut). Wie ſie ihn blendet, die Sirene, Wie ſie ihn lockt mit ſüßem Sang. Wir aber wiſſen, falſche Schöne: Der Wahn iſt kurz, die Reue lang!

Die Zigeunerin hob drohend den Zeigefinger gegen