Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

206

Der Verwundete war auf die erbeutete Fahne nieder⸗ geſunken, während er deren Schaft noch immer krampfhaft in ſeinen Händen hielt, als fürchte er, daß ſie ihm räu⸗ beriſch entriſſen würde. Sie war von dem Blute über⸗ ſchwemmt, das der Wunde entſtrömte, welche der Streit⸗ kolben des Mauren ihm auf dem Rücken verſetzt hatte, und glich einem Leichentuch, auf welches die bald entſeelte Hülle eines Tapferen gebettet war. Arnold beugte ſich herunter, um den Helm zu löſen— und erkannte in den bleichen, ſterbenden Zügen diejenigen ſeines Oheims Michael Waller, von dem er nichts geſehen hatte, ſeitdem er im Gefolge der Königin Iſabella das chriſtliche Lager verließ.

„Um der heiligen Jungfrau Willen, Oheim, finde ich Euch ſo wieder?“ rief Arnold erſchrocken.„Ich will Euch in eins der Feldſpitäler bringen, wenn es ſein kann, und einſtweilen Eure Wunde mit einem Stücke von dem Tuche verbinden, welches meinen Hals bedeckt.“

Er wollte ſeinen eigenen Bruſtharniſch löſen, allein der Hauptmann machte ein abwehrendes Zeichen und winkte ihn ſo nahe zu ſich, daß ſein Ohr nur einige Spannen von ſeinem Geſicht entfernt war. In leiſen und gebrochenen Tönen ſagte er:

„Laß es gut ſein— der Kolben des Heidenkönigs