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und gleich dem milden Talavera ſo zaghaft und am Alten klebend, daß ſie eine wahre Geringſchätzung gegen Alles empfanden, was eine Neuerung heißen konnte. Hin⸗ ter beſtäubten Handſchriften, dickleibigen Büchern und vergilbten Pergamenten ſaßen ſie an einem langen Tiſche in einem geräumigen Gemache des Univerſitätsgebäudes. Vor ihnen ſtand ein Mann in ſchwarzer ſpaniſcher Klei⸗ dung, im rothen, ſammtnen Mantel, und mit einem brei⸗ ten weißen Halskragen geſchmückt. Nicht das blaue Blut der ſpaniſchen Granden rollte in ſeinen Adern. Sein Vater war ein genueſiſcher Weber, aber der Stempel des Genius lagerte auf der hohen Stirn des Handwerker⸗ ſohnes und wies ihm ſeinen Platz an unter den Erſten der Menſchheit, deren Gedächtniß die Geſchichte feiernd in ihren Annalen verzeichnete. Seine Geſichtsfarbe war vom Einfluß der Luft gebräunt; unter den kleinen, hell⸗ blauen Augen erhob ſich eine Adlernaſe. Unaufhörliche Beſchwerden, frühzeitig erduldete Strapazen und die Un⸗ ruhe ſeines ſtrebenden Geiſtes hatten ſein röthlich brau⸗ nes Haar ſchon vor dem dreißigſten Jahre gebleicht. Jetzt mochte er in den Vierzigen vorgeſchritten ſein, doch war die majeſtätiſche Haltung ſeiner großen, wohlgebauten Geſtalt ganz ungebeugt; dabei ſprach eine beſcheidene Würde aus allen ſeinen Bewegungen. Dieſer Mann, deſſen Ruhm ſich von der alten Welt bis über die neue


