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damals betriebenen Zweige des Wiſſens errichtet, unter denen die Gottesgelehrtheit obenan ſtand. Die hochſinnige Königin Iſabella berief Gelehrte aus Italien, wo man der claſſiſchen Literatur mit dem größten Erfolge oblag. Spaniſche Wiſſenskundige ſaßen neben ihnen, nachdem ſie in Bologna und andern italieniſchen Städten ihre Kenntniſſe vermehrt hatten. Die eaſtilianiſchen Gelehr⸗ ten konnten ſich um jene Zeit auf gleiche Stufe mit ihren berühmten Genoſſen in Rtalien ſtellen. Der Ruf Salamancas war ſo groß, daß ſieben tauſend Stu⸗ denten es auf einmal beſuchten, und die unter ihnen herrſchende Begeiſterung für die Wiſſenſchaft war un⸗ glaublich. Peter Martyr, der berühmte Geſchichtſchrei⸗ ber Spaniens, hielt eine einleitende Vorleſung über eine von Juvenals Satyren, wobei der Zudrang des Audi⸗ toriums ſo zahlreich war, daß jeder Eintritt zum Hör⸗ ſaale verſperrt und der Profeſſor auf den Schultern der Studenten hineingetragen wurde. Alcala, Toledo, Sevilla und andere Städte eiferten dieſer alten hochberühmten Univerſität nach in dem Studium der großen Meiſter des Alterthums und der freien Wiſſenſchaften, und mit Recht ſagte Erasmus von Rotterdam ſpäter:„daß ſich die Gelehrſamkeit im Laufe weniger Jahre in Spanien zu einer ſolchen Blüthe erhoben hatte, daß ſie den gebil⸗ detſten Völkern zum Muſter dienen konnte.“ Die Buch⸗


