129
fauler Eier begleitet hatte, mit lautem Vivatgeſchrei jetzt be⸗ grüßt und in dem Manne, welcher am eifrigſten und lau⸗ teſten ſchrie und ſeinen Hut ſchwenkte, erkannte er den Ker⸗ kermeiſter von Norwich und zugleich den Urheber dieſes ſchmeichelhaften Empfanges. Lord Sidney buhlte nicht um des Volks wetterwendiſche Gunſt, dennoch that ihm deſſen jetzige günſtige Geſinnung wohl, daher er freundlich nickte und in ſeinem Innern ſich reich belohnt fühlte für die kleine Mühe, durch ſeines Namens Unterſchrift drei Menſchen und mehr noch beglückt zu haben.
Frau Fielding holte nun die kleine Gotthelfe herbei, während Simpſon abermals den Kram bewachte. Wer weiß, ob der Kerkermeiſter ſo glücklich zu ſeinem Ziele ge⸗ langt wäre, hätte er nicht als Apfelſinenverkäufer die Bekanntſchaft mit dem erſten Secretair des Miniſters ge⸗ macht gehabt. Darum freute er ſich jetzt, die Stelle der Höckerin verſehen zu haben und aufs Neue verſehen zu können, wiewohl der Kram der Wächter genug alleweile beſaß. Als die Höckerin mit dem Kinde auf dem Arme zurückkehrte, ging Gotthelfe aus einer Hand in die an⸗ dere. Abwechſelnd lobte man deren blaue, ſchöne Au⸗ gen, ihre Ruhe und Freundlichkeit, mit welcher ſie die Liebkoſungen ſo vieler fremder Perſonen hinnahm, ſo wie des Kerkermeiſters Verdienſte um Vater, Mutter und Kind. Da der Poſtwagen erſt in einigen Stunden nach Plymouth abfuhr, ſo veranlaßte man Simpſon, in die nächſte Taverne zu treten, wo man, ſowie noch auf dem Platze ſelbſt, eine Geldſammlung veranſtaltete, die einen reichlichen Ertrag gewährte und Simpſon eingehändigt
Der Kerkermeiſter von Norwich. 9


