24
Wie vft, treue Seele meines Lebens! haſt Du Dich uͤber die Pflichten Deines Standes beklagt, wie oft haben die Ceremonien, welche mit Deinen Beſuchen verbunden waren, Dich das Schickſal Deiner Unterthanen beneiden laſ⸗ ſen?— Du wuͤnſchteſt nur fuͤr mich zu le⸗ ben, wuͤrdeſt Du jetzt fuͤrchten, ſo vielen Zwang zu verlieren? Sollte ich nicht mehr dieſe Zilia ſein, welche Du Deinem Range vorgezogen haͤtteſt? Nein ich kann es nicht glauben, mein Herz blieb unveraͤndert, warum ſoll das Dei⸗ nige es nicht auch ſein?
Denſelben Aza, der meine Seele vom er⸗ ſten Augenblick an, wie ich ihn ſah, beherrſchte, ſehe ich noch immer mit gleicher Liebe und er⸗
1 innere mich unaufhoͤrlich des gluͤcklichen Tages, an welchem Dein Vater, mein alleiniger Herr, zum erſten Male die ihm nur einzig verliehene
Macht, in's Innere des Tempels zu treten, mtt Dir theilte 12); auch vergegenwaͤrtige ich mir das entzuͤckende Schauſpiel unſerer Jung⸗ frauen, welche, auf einer Stelle verſammelt,


