Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

296

an, dein gedrücktes Haupt wieder zu erheben; ganz anders iſt es doch mit den Weſen des Menſchen, wenn einmal das Bewußtſein des reinen Ge⸗

wwriſſens verloren ging, dann iſt kein Geſchick im

Stande, den Ruin des innern Lebens wieder her⸗ zuſtellen.

Doch frage Dich ſelbſt, fuhr er fort,habe ich etwa ſchlimmer gehandelt, als die Mordgeſellen an dieſem Platze gehandelt haben? Blut! ja, ja, Blut habe ich vergießen laſſen, eben ſo unſchul⸗ diges Blut, wie dasjenige, welches hier gefloſſen iſt; allein ich habe das Werk nicht mit meiner eige⸗

nen Hand vollbracht. Ha, ha, welch' eine fahde

Entſchuldigung das iſt; ward nicht mein Wille zur That, und iſt das nicht genug? O Gott! je höher die Zahl meiner Jahre ſteigt, deſto mehr fühle ich, wie unrecht ich damals gethan habe.

Der Unbekannte erhob ſich haſtig von ſeinem harten Sitze.

Fort, fort von hier, murmelte er,dieſer Ort giebt weder meinem Herzen noch meinem Gewiſſen Ruhe, ich will unter die Menſchen gehen, dann wird mir beſſer werden.

Er bog hierauf in die Gaſſe ein, welche nach dem Ringe führte. Hier fiel ihm das helle Licht in einem anſehnlichen Hauſe aufz er glaubte ſich in der

Nähe einer Herberge zu befinden und trat unter

die gewölbte Halle. Ein Geſumme von vielen