1. Das Geſpenſt von Richelieu.
In einem Zimmer des uns bereits bekannten Pa⸗ lais Cardinal ſaß an einem mit Papieren und Büchern beladenen Tiſche mit Ecken von Vermeil ein Mann, den Kopf in ſeine zwei Hände geſtützt.
Hinter ihm war ein weiter Kamin, roth von einem Feuer, deſſen Brände auf großen vergoldeten Feuer⸗ böcken zuſammenſanken. Der Glanz der Flammen be⸗ leuchtete von hinten das prachtvolle Gewand dieſes Träu⸗ mers, den das Licht eines mit Kerzen beladenen Can⸗ delabers von vorne beſtrahlte.
Beim Anblick dieſer rothen Simarre und dieſer
reichen Spitzen, dieſer bleichen, unter dem Nachſinnen
gebeugten Stirne, der Einſamkeit dieſes Cabinets, bei der Stille in den Vorzimmern und dem abgemeſſenen Tritte der Wachen auf der Flur, hätte man glauben können, der Schatten des Cardinal von Richelieu weile noch in dieſem Gemach.
Ach! es war allerdings nur der Schatten des großen Mannes. Das geſchwächte Frankreich, das ge⸗ ſunkene Anſehen des Königs, die enkkräfteten oder auf⸗ rühreriſchen Großen, der Feind, welcher die Gränzen des Landes überſchritten hatte, Alles bewies, daß Ri⸗ chelien nicht mehr war.
Was aber noch mehr zum Beweiſe diente, als
Alles dieß, daß die rothe Simarre keineswegs die des
alten Cardinals ſein konnte, das war dieſe Vereinze⸗


