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„Ich denke nicht. Ich werde dort bis ziemlich ſpät in der Nacht aufgehalten ſein und dann geraden Weges nach Menilmontant gehen.“
„Morgen alſo.“
„Morgen!“ ſagte Samuel.
Und er ging weg und überließ Julius der Einſam⸗ keit und ſeinen Bangigkeiten.
Samuel hatte ſich ſeit drei Viertelſtunden entfernt,
als der Kammerdiener, den Julius nach Enghien geſchickt, im Galopp der Pferde zurückkam.
Beim Geräuſch des in den Hof des Hotels einfah⸗ renden Wagens lief Julius ans Fenſter. Daniel ſtieg all⸗ ein aus.
Julius ſtürzte nach der Treppe.
„Nun?“ ſagte er.
Daniel ſah ſehr beſtürzt aus.
„Was haben Sie denn, Daniel?“ fragte Julius. „Haben Sie Friedrike geſehen?“
„Die Frau Gräfin iſt nicht mehr in Enghien,“ ant⸗ wortete Daniel.
„Nicht in Enghien! Seit wann?“
„Seit heute Morgen.“
„Seit heute Morgen! Und ſie iſt nicht hier?“ rief Julius.
Und er zog Daniel in ſein Zimmer.
„Geſchwinde! ſagen Sie mir, was Sie wiſſen.“
„Die Frau Gräfin hat Enghien am frühen Morgen mit Frau verlaſſen,“ antwortete Daniel.
„Um hierher zu kommen?“
„Nein, Herr Graf, denn eine Poſtchaiſe hat Beide abgeholt. Sie hatten die Nacht mit Packen zugebracht, und ſie ſind ganz allein abgereiſt, ohne Befehle für die Be⸗ dienten zu hinterlaſſen, welche glauben, die Reiſe ſei mit Eurer Excellenz verabredet.“
Julius fand kein Wort. Es kam ihm ſogleich der gräßliche Gedanke: Friedrike iſt mit Lothario entflohen.
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