Teil eines Werkes 
11.-14. Bdchn (1851)
Entstehung
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Wie ſollte ich Ihnen grollen? verſetzte Lothariv. Es hängt nicht von Ihnen ab, mich zu lieben.

Es handelt ſich nicht darum, zu lieben, entgeg⸗ nete Friedrike.Würde ich Sie lieben, ſo wäre ich doch nicht freier.

Oh! ich, rief Lothario,ich glaube an die All⸗ macht von denjenigen, welche ſich lieben. Es gibt keine Siſ die man nicht überwindet, wenn man feſt will.

Es gibt, erwiederte ſie.Es gibt die Pflicht, die Dankbarkeit, die Bezahlung einer heiligen Schuld. Aber glauben Sie mir, ich werde nie vergeſſen, was Sie für mich haben thun wollen. Fern oder nahe, ich werde immer Ihre Schweſter ſein.

Und die Frau eines Andern, ſagte Lothario.

Friedrike neigte das Haupt, denn ſie fand keine Worte, um eine Traurigkeit zu widerlegen, die ſie viel⸗ leicht ſelbſt theilte.

Ah! das mußte ſein, ſprach Lothario,ich habe nie Glück gehabt. Mein Vater war todt, als ich geboren wurde; meine Mutter ſtarb, ehe ich ſie kennen lernen konnte. Der Verluſt meer Mutter wäre nicht vollſtän⸗ dig geweſen, wenn ich Sie nicht auch verloren hätte.

Herr Lothario!.. rief Friedrike, wie zu ihm hinge⸗ zogen durch eine Bewegung, die ſie für Mitleid hielt, während es Gleichgefühl ſein mußte.

Sie war vielleicht im Begriff, mehr zu ſagen. Doch in dieſem Augenblick traten Samuel und Julius ein.

Samuel warf einen raſchen Blick auf Friedrike und auf Lothario.

Gut! dachte er, als er die niedergeſchlagene Miene von Lothario ſah,ich täuſchte mich nicht; ſie hat ihm jede Hoffnung benommen. Uebrigens werde ich durch Frau Trichter erfahren, was ſie ſich geſagt haben.

Während der kurzen Unterredung der zwei jungen Leute hatte Julius ſeinerſeits Samuel Alles enthüllt.

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