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„Nah oder fern, Du haſt einmal für den Tod geſtimmt und der König war unſchuldig.“
„Das iſt wahr, das iſt wahr,“ ſagte der Geiſt⸗ liche,„aber ich hatte Furcht.“
„Dann biſt Du nicht nur ein Königsmörder, nicht nur ein Apoſtat, ſondern auch ein Feigling; wir ſind keine Geiſtlichen, aber wir werden gerechter ſein, als Du; Du haſt für den Tod eines Unſchuldi⸗ gen geſtimmt. Wir ſtimmen für den Tod eines Schuldigen. Du haſt zehn Minuten um Dich vorzu⸗ bereiten, vor Gott zu erſcheinen.“
Der Geiſtliche ſtieß einen Schrei aus und ſank auf ſeine Kniee nieder; die Glocken der Kirche er⸗ tönten, als wenn ſie ſich von ſelbſt bewegten, und zwei von dieſen Männern, welche die Kirchengeſänge zu ſingen gewöhnt waren, begannen die Gebete der Sterbenden anzuſtimmen.
Der Biſchof brauchte einige Zeit, bis er die Worte fand, mit welchen er darauf antworten mußte.
Er richtete auf ſeine Richter erſchrockene Blicke, die ſich bittend vom einen zum andern wandten; aber auf keinem Geſichte hatte er den Troſt, den ſanften Ausdruck des Mitleids zu gewahren.
Die Fackeln, welche im Winde zitterten, verliehen im Gegentheil allen Geſichtern einen wilden und furchtbaren Ausdruck.
Dann entſchloß er ſich, ſeine Stimme mit den Stimmen zu miſchen, welche für ihn beteten. Die Richter ließen ſie das Todtengebet bis zu Ende beten.
Während dieſer Zeit errichteten einige Männer einen Scheiterhaufen.


