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Frau von Montrevel war reſpectvoll an der Thüre ſtehen geblieben.
„O kommen Sie, kommen Sie doch! Madame,“ ſagte Joſephine,„ich kenne Sie nicht von heute, ſondern von dem Tage an, da ich Ihren würdigen
und ausgezeichneten Roland kennen lernte; wiſſen
Sie, was mich beruhigt, wenn Bonaparte fort iſt? daß Roland ihm folgt, und wenn ich Roland bei ihm weiß, glaube ich, es könne ihm kein Unglück begeg⸗ nen. Nun, Sie wollen mich nicht umarmen?“
Frau von Montrevel war verlegen durch ſo viel Güte.
„Wir ſind Landsmänninen, nicht wahr?“ fuhr ſie fort.„O, ich erinnere mich wohl noch der Frau von La Clemencière, die einen ſo ſchönen Garten und prachtvolles Obſt hatte! Ich erinnere mich wohl noch, daß mich mein Vater als Kind in dieſen Garten führte, um das Obſt zu koſten, und daß ich dabei ein junges hübſches Mädchen ſah, oder vielmehr begegnete, das die Königin deſſelben zu ſein ſchien; Sie haben ſich ſehr jung verheirathet, Madame?“
„Im vierzehnten Jahre.“
„Das muß wohl ſein, um einen Sohn von dem Alter Rolands zu haben: aber ſetzen Sie ſich doch!“
Sie gab das Beiſpiel, indem ſie Frau von Montre⸗ vel aufforderte, ſich neben ſie zu ſetzen.
„Und dieſer reizende Knabe,“ fuhr ſie fort, in⸗ dem ſie auf Edouard deutete,„iſt das auch Ihr Sohn?“ Sie ſtieß einen Seufzer aus.„Gott war
verſchwenderiſch gegen Sie, Madame,“ ſagte ſie,
ihr ſch


