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Sie deßhalb zu Ihrer Frau Mutter, ſie könne ſich unſeres Reſpectes verſichert halten und möge nicht mehr auf uns achten, als wenn wir gar nicht da wären.“
Dann in das Interieur hineinblickend, ſagte er:
„Meine Herren, Ihr Diener; fürchten Sie nichts für Ihre Börſe oder Ihre Juwelen und beruhigen Sie die Amme; wir haben nicht die Abſicht, ihre Milch ſauer zu machen.“
Darauf ſagte er zu dem Conducteur:
„Nun, Vater Jerome, wir haben ungefähr hun⸗ derttauſend Franken auf der Imperiale und in den Truhen, nicht wahr?“
„Meine Herren, ich verſichere Sie...“
„Das Geld gehört der Regierung, es gehört zum Schatz der Bären von Bern; ſiebenzigtauſend Fran⸗ ken in Gold, das Uebrige in Silber; das Silber iſt auf dem Wagen, das Gold in den Truhen des Coupé; nicht wahr, und ſind wir gut unterrichtet?“
Bei den Worten: in den Truhen des Coupé, ſtieß Frau von Montrevel einen zweiten Schreckens⸗ ſchrei aus; ſie ſollte alſo in unmittelbare Berührung mit dieſen Menſchen kommen, die trotz ihrer Höflich⸗ keit ihr große Furcht einflößten.
„Aber was haſt Du denn, Mutter? was haſt Du denn?“ fragte der Knabe ungeduldig.
„Schweige, Edouard, ſchweige.“
„Weßhalb ſchweigen?“
„Begreifſt Du nicht?“
„Nein.“
„Die Diligence iſt angefallen.“
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