92
Leprétre war ein Mann von achtundvierzig Jah⸗ ren mit dichtem, graulichem Haare, dabei aber einem Backenbart und Brauen von der Schwärze des Eben⸗ holzes; die Augen waren von jener bewundernswer⸗ then Eigenthümlichkeit der indianiſchen Augen, wenn ſie auf den Marronneger zielen. Er war ein ehe⸗ maliger Dragonercapitän, herrlich gebaut für den phyſiſchen und moraliſchen Kampf; ſeine Muskeln deuteten auf große Kraft, ſeine Phyſiognomie auf Beharrlichkeit. Im Uebrigen beſaß er eine edle
Tournüre, große Eleganz der Manieren, war wie ein
Petit⸗maitre parfümirt und roch aus Manier oder aus üppiger Gewohnheit an einem Fläſchchen mit engliſchen Salzen oder an einer Riechbüchſe von ver⸗ goldetem Silber, welche die feinſte Parfüme ent⸗ hielt.
Guyon und Amiet, deren wahre Namen man ſo wenig kannte, als die von Leprétre und Morgan, hießen gewöhnlich unter den Genoſſen„die Unzer⸗ trennlichen“. Man denke ſich Damon und Pithyas, Euryalus und Niſus, Oreſt und Pylades mit zwei⸗ undzwanzig Jahren; der Eine heiter, geſprächig, lär⸗ mend; der Andere traurig und ſchweigſam, träume⸗ riſch und Alles theilend, die Gefahr, das Geld, die Geliebte; Beide ſich durch einander ergänzend, in ſich die Grenzen aller Ertreme erreichend, Jeder in der Gefahr ſich ſelbſt vergeſſend, um den Andern zu be⸗ ſchützen, wie die jungen Spartiaten von der heiligen Schaar,— und man hat eine Idee von Guyon und Amiet.
Es verſteht ſich von ſelbſt, daß alle drei Genoſſen Jehus waren.


