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unſre Privilegien, mein Herr. Wir trugen den Degen. Zwar waren, um Unglücksfälle, die zwiſchen Hitzköpfen, wie die unſrigen, vorkommen könnten, zu vermeiden, die meiſte Zeit unſre Degen von Holz, aber wenn es auch nicht die Sache ſelbſt war, ſo war es wenigſtens das Sinnbild. Ja, Herr Baron,“ fuhr Cadenette mit einem Seufzer fort,„jene Zeit war eine ſchöne Zeit, nicht blos für die Perruquiers, ſondern für Frankreich. Wir wußten alle Geheim⸗ niſſe, waren mit bei allen Intriguen, man verbarg nichts vor uns; und es gibt kein Beiſpiel Herr Ba⸗ ron, daß ein Geheimniß von einem Perruquier ver⸗ rathen worden wäre. Sehen Sie, unſre arme Kö⸗ nigin, wem hat ſie ihre Diamanten anvertraut? dem großen, dem berühmten Leonard, dem Fürſten der Coiffure! Nun, Herr Baron, zwei Männer genügten, um das Gerüſte einer Macht niederzureißen, die in den Perrücken Ludwig XIV., in den„Puffen“ der Regentſchaft, in den„Crepes“ Ludwig XV. und in den„Galerien“ Marien Antoinettens ruhte.“
„Und dieſe beiden Männer, dieſe beiden Nivel⸗ leurs, dieſe beiden Revolutionärs, wer ſind ſie, Ca⸗ denette? damit ich ſie, ſoweit es in meinen Kräften ſteht, der öffentlichen Verachtung preißgebe.“
„Herr Rouſſeau und der Citoyen Talma: Herr Rouſſeau, der den abgeſchmackten Satz ausſprach: „Kehrt zur Natur zurück!' und der Citoyen Talma, der die Tituscoiffuren erfand.“
„Das iſt wahr, Cadenette, das iſt wahr.“
„Mit dem Directorium tauchte wieder einige Hoffnung auf. Herr Barras hat den Puder nie aufgegeben und der Citoyen Moulin behielt den Zopf


