Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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Roland las den Brief zweimal, blieb einen Augen⸗ blick in Gedanken verſunken ſtehen, trat dann unmit⸗ telbar in das Cabinet des erſten Conſuls und bot ihm den Brief, ohne ein Wort zu ſagen.

Dieſer las ihn, ohne daß ſein Geſicht die geringſte Aufregung oder auch nur ein Erſtaunen gezeigt, und mit ächt lacedämoniſchem Laconismus ſagte er:

Man muß das Licht aufſtellen.

Dann gab er Roland den Brief zurück.

Am andern Tage um ſieben Uhr brannte das Licht an dem Fenſter, und um ſieben Uhr fünf Mi⸗ nuten wartete Roland in Perſon an der kleinen Thüre zum Garten.

Er war kaum einige Augenblicke da, als drei Schläge an die Thüre pochten, wie bei den Frei⸗ maurern, das heißt zwei und dann einer. 3

Die Thüre öffnete ſich augenblicklich; ein Mann, in einen Mantel gehüllt, hob ſich in der graulichen Atmoſphäre dieſer Winternacht ab: Roland war ganz im Schatten verborgen.

Da der Mann im Mantel Niemand ſah, ſo blieb er einen Augenblick unbeweglich ſtehen.

Treten Sie ein, ſagte Roland.

Ah! Sie ſind es, Oberſt!

Vie wiſſen Sie, daß ich es bin? fragte Roland.

Ich erkenne Sie an Ihrer Stimme.

Meiner Stimme? aber während der wenigen Secunden, die wir uns in demſelben Zimmer in Avignon befanden, habe ich nicht ein Wort ge⸗ ſprochen. 3

In dieſem Falle werde ich Ihre Stimme an⸗ derswo gehört haben.