Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Dritte Abteilung], Ange Pitou : 1.-4. Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
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Am 29. war Paris vollkommen ruhig, oder ſchien es wenigſtens zu ſein.

Ge kam der 1. Mai. Der König und die Königin begaben ſich mit dem ganzen Hoſſtaate nach Notre

Dame, um das Veni creator zu hören.

Man rief viel:Es lebe der König! und beſon⸗ ders:Es lebe die Königin!

Die Königin war ſo gut!.

Das war der letzte Tag des Friedens.

Am andern Tag rief man eiwas weniger:Es

Lebe die Königin! und etwas mehr:Es lebe der Herzog von Orleans!

Dieſer Ruf verletzte ſie ungemein, die arme Frau, welche den Herzog ſo ſehr haßte, daß ſie von ihm ſagte, er ſei ein Feiger.

Als ob es je einen Feigen unter den Orleans ge⸗ geben hätte, von Monſieur an, der die Schlacht bei Caſſel gewann, bis zum Herzog von Cyartres, der zum der Schlachten von Jemmapes und Valmy

eitrug.

So viel iſt gewiß, daß die arme Frau beinahe ohnmächtig geworden wäre; man unterſtützte ſie, als iur Kopf ſich neigte. Madame Campan erzählt die Sache in ihren Denkwürdigkeiten.

Doch dieſer geneigte Kopf erhob ſich wieder ſtolz und hoffärtig. Diejenigen, welche den Ausdruck dieſes Kopfes ſahen, waren auf immer davon geheilt, daß ſie ſagten;Die Königin iſt ſo gut!

Es gibt drei Portraits von der Königin; das eine gemalt 1776, das andere 1784 und das dritte 1788.

Ich habe alle drei geſehen. Sehen Sie dieſelben ebenfalls. Wenn ſie je in einer Gallerie beiſammen find, ſo wird man die Geſchichte von Marie Antoinette in dieſen drei Portraits leſen. ²)

*) Die drei Portraits find in Verſailles.

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