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wobei ſie, erſchreckt durch dieſes blutige Elend, ſchauernd umherſchauten.
Als ſie näher zu dem Theil der Stadt kamen, den wir heute das Quartier Latin nennen, als ſie ſodann die Rue de la Harpe hinauſſtiegen, als ſie endlich gegen die Rue Saint⸗Jacques, das Ziel ihres Marſches, vordrangen, ſahen ſie, wie zur Zeit der Fronde, Barricaden ſich erheben. Die Weiber und die Kinder ſchleppten in die oberen Stockwerke der Hänſer Folianten, ſchwere Meu⸗ bles, koſtbare Marmorarbeiten, beſtimmt, die fremden Soldaten niederzuſchmettern, falls ſie ſich in die ge⸗ gekrümmten, engen Straßen des alten Paris wagen würden.
Von Zeit zu Zeit bemerkte Billot ein paar fran⸗ zöſiſche Gardeſoldaten im Mittelpunkte einer Verſamm⸗ lung, die ſie organiſirten und mit einer wunderbaren Schnelligkeit die Handhabung eines Schießgewehrs lehr⸗ ten, eine Uebung, welche die Weiber und die Kinder mit Neugierde und beinahe mit dem Wunſche, ſie ſelbſt zu lernen, verfolgten.
Billot und Pitou fanden das College Louis⸗le⸗ Grand im Aufruhr; die Schüler hatten ſich erhoben und ihre Lehrer fortgejagt. In dem Augenblick, wo der Pächter und ſein Gefährte vor das Gitter kamen, belagerten die Schüler dieſes Gitter mit Drohungen, die der erſchrockene Vorſteher durch Thränen erwiederte.
Der Pächter ſchaute einen Augenblick dieſer Em⸗ vörung im Innern zu und rief dann plötzlich mit einer Stentorſtimme:
„Welcher von Euch heißt Sebaſtian Gilbert?“
„Ich,“ antwortete ein junger Menſch von einer beinahe weiblichen Schönheit, der mit Hülfe von drei bis vier ſeiner Kameraden eine Leiter brachte, um die Mauer zu erklettern, da er ſah, daß er das Gitter nicht ſprengen konnte.
„Kommen Sie näher hierher, mein Kind.“


