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„Verzeihen Sie, Herr Billot,“ erwiederte Piton, „deſicit iſt ein lateiniſches Wort, welches bedeutet: es ſehlt. Was fehlt denn?“
„Das Geld, tauſend Götter! und weil das Geld fehlt, und weil die Günſtlinge dieſes Geld, das fehlt, verzehrt haben, nennt man die Königin Madame Defieit. Nicht der König alſo iſt erzürnt, ſondern die Königin. Der König iſt ärgerlich, ärgerlich, weil Alles ſo ſchlecht geht.“
„Ich begreife,“ ſagte Pitou,„doch die Caſſettes“
„Das iſt wahr, Pitou; dieſe verteufelte Politik reißt mich immer weiter fort, als ich gehen will; ja die Caſſette vor Allem. Du haſt Recht, Pitvu; wenn ich den Doctor Gilbert geſehen habe, nun, dann wer⸗ 3n iit zur Politik zuruͤcktehren. Das iſt eine heilige
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„Es gibt nichts Heiligeres, als die heiligen Pflich⸗ ten,“ ſprach Piton.⸗
„Laß uns alſo in das College Louis⸗le⸗Grand gehen, wo ſich Sebaſtian Gilbert beſindet,“ ſagte Billot.
„Gehen wir,“ erwiederte Piton ſeufzend, denn er mußte ein weiches Raſenbett verlaſſen, an das er ſich gewöhnt hatte. Ueberdies ſtieg, trotz der übermäßigen Aufregung des Abends, der Schlaf, der beſtändige Gaſt reiner Gewiſſen und geräderter Lenden, mit all ſeinem Mohn auf den tugendhaften und auf den geräderten Pitou herab.
Billot war ſchon aufgeſtanden und Piton erhob ſich, als es halb zwölf Uhr ſchlug.
„Doch um halb zwölf Uhr wird das College Louis⸗ le⸗Grand geſchloſſen fein, wie mir ſcheint,“ ſagte Billot.
„Oh! ganz gewiß,“ erwiederte Pitou.
„Dann kann man bei Nacht in einen Hinterhalt gerathen; mir ſcheint, ich ſehe Bivouacfeuer in der Nähe des Juſtizpalaſtes; man wird mich verhaften oder man wird mich tödten; Du haſt Recht, Pitou, 3 varf mich nicht verhaften, man darf mich nicht ödten.“


