Teil eines Werkes 
3. Band (1872)
Entstehung
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Durch Verrath ſollte die Stadt nicht fallen, viel lieber wollte man ſich zu einer ehrenvollen Capitulation entſchließen.

Man beſchäftigte ſich noch einmal mit der Frage, wie viele Vor räthe man noch beſitze, und man fand, daß dieſe Vorräthe ſehr un⸗ bedeutend waren. Man erſchrak, als man die Liſten der Sterbefälle

rüfte, und die Maſſen der Verwundeten und Kranken zählte, aber

trotz alledem wagte Niemand, die Capitulation zu fordern.

Man behauptete, es ſeien noch bedeutende Vorräthe verborgen, die für acht Wochen hinreichten, und unter dem Vorwande, dieſe zu ſuchen, drangen die Plünderer in die Häuſer der Reichen ein, die wehrlos und ohne Schutz Alles über ſich ergehen laſſen mußten.

Inzwiſchen hielt Trochu mit ſeinen Generalen Kriegsrath, nicht einer wollte das Commando der Armee, noch die Verantwortlichkeit eines neuen Angriffs übernehmen.

Endlich am 24. Januar, nachdem die Regierung ſchon mit dem Hauptquartier des deutſchen Kaiſers Unterhandlungen angeknüpft hatte, brachte die offizielle Zeitung folgende Zeilen:

So lange das Gouvernement auf das Herannahen eines Entſatz⸗ heeres zählen konnte, war es verpflichtet, Alles an die Verlängerung der Vertheidigung zu wenden. In dieſem Augenblick aber, wenngleich unſere Armeen noch aufrecht ſtehen, haben ſie ſich durch widriges Kriegsglück zurückziehen müſſen, die eine unter die Mauern von Lille, die andere über Laval hinaus, die dritte gegen die öſtliche Landes⸗ grenze. Alle Hoffnung des Entſatzes iſt dadurch verloren und unſere Vorräthe erlauben kein weiteres Zuwarten.

Eine ſolche Lage macht dem Gouvernement zur Pflicht, Unterhand⸗ lungen anzuknüpfen. Man iſt eben im Begriff, ſie zu führen. Noch iſt es unmöglich, Einzelnheiten mitzutheilen, wir glauben jedoch, daß das Prinzip der Volksſouveränität durch die unmittelbare Berufung einer Verſammlung gewahrt werde. Dieſer wird die Berathung eines Waffenſtillſtandes obliegen. Die deutſche Armee wird die Forts be⸗ ſetzen. Die Nationalgarde und eine Armeediviſion wird bewaffne bleiben, um die Ordnung zu erhalten, während kein Mann der Be⸗ ſatzung ſich entfernt.

Nun hatte man Gewißheit. Man athmete auf, und wenn auch Haß und Wuth im Herzen kochten, man war dennoch froh, daß die Schreckniſſe ein Ende nahmen.

Nur einige Bataillone der Nationalgarde proteſtirten und ver⸗