—
779
Und wenn das ſofort geſchah, ſo war es um ſo beſſer, man brauchte dann nicht viele Pläne zu entwerfen.
Schon nach wenigen Minuten kehrte Dorman, von dem Kleinen begleitet, zurück.
„Wir ſind bereit“, ſagte er.
Madame Leroi muſterte mit ſcharfem Blick den Vagabund, ſie ſchien mit der Wahl zufrieden zu ſein.
„So wollen wir gehen“, erwiderte Sie.„Aber wo berathen wir das Nöthige?“
„In Eurer Manſarde, Alte!“
„Das wäre—“
„Ah, bah, Ihr ſeid kein junges Mädchen, das auf ſeinen guten Ruf ängſtlich achten muß“, ſpottete Dorman.„Ihr könnt immerhin und zu jeder Zeit Herrenbeſuche annehmen!“
„Aber es würde Argwohn wecken!“
„Wo? Bei wem? Vorwvärts, Alte, wir haben keine Zeit zu ver⸗ lieren.“
Der Falſchmünzer ſchob ſeinen Arm in den ſeines Freundes und folgte dem Weibe, welches keinen Widerſpruch mehr wagte.
In allen Straßen wogte die lärmende Menge auf und nieder. Paris jubelte über die errungenen Siege, es erwartete noch in dieſer Nacht den Einmarſch der Befreier.
Die Preußen geſchlagen, auf der Flucht, die feindlichen Heer⸗ führer todt oder gefangen, die ruſſiſche Armee auf dem Marſche nach Berlin— ah, Frankreich war wieder die große, ruhmreiche Nation, es hatte dem ſtaunenden Europa bewieſen, daß es nicht zerſchmettert werden konnte.
Oft war das Geſchrei der berauſchten Menge betäubend. Wo eine Uniform ſich blicken ließ, wurde ſie mit Jubel empfangen, man trug Verwundete im Triumph auf den Schultern umher, man ſang, tanzte und lachte auf den Straßen, kurz, Paris glich wieder einem großen Irrenhauſe.
Die Nacht breitete ja ihren dunkeln Mantel über das Elend, man ſah es nicht, man dachte nicht mehr an die Verhungernden und Ster⸗ benden, man hörte in dieſem wahnſinnigen Lärm das Jammern der Verzweiflung und das Todesröcheln der Unglücklichen nicht, man
wollte nichts derartiges ſehen oder hören, es hätte ja die Freude nur
getrübt.


