Jahrgang 
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den jungen Mann, der, ein Bild der Verzweiflung, mit verzerrten Zügen und geballten Fäuſten vor ihm ſtand.

Ueber dieſe Anklage gehe ich ruhig hinweg, ſagte er,ſie trifft mich nicht. Ich kann Dir kein Geld geben und daß Bertha es nicht thun will, verdenke ich ihr nicht. Gehe zu dem Wucherer hin, er iſt mir zu Dank verpflichtet und wird mir zu Liebe warten, bis ich von der Reiſe zurückgekehrt bin. Sage ihm, das ſei mein Wunſch, auf deſſen Erfüllung ich vertraue; wenn ich wieder hier bin, wollen wir ſehen, was zu machen iſt, vielleicht rede ich ſelbſt mit dem Vater. Jetzt geh', wir haben keinen Augen⸗ blick mehr zu verlieren.

Liebmann trat beiſeite, er ſah ein, daß er nichts erreichen konnte.

Theilnahmlos, ohne ein Wort der Ermuthigung, kaum das Haupt zum Abſchiedsgruße neigend, ſchritten die Beiden an ihm vorbei.

Vor der Thüre auf dem Korridor erwartete die Mutter Hein⸗ richs das junge Ehepaar, offenbar in der Abſicht, Abſchied von ihm zu nehmen.

Ueber das ſchöne, ſtolze Geſicht Bertha's lagerte ſich eine düſtere Wolke.

Sie wird uns eine Scene machen, flüſterte ſie ihrem Gatten zu.Bedenkt dieſe Frau denn nicht, daß die Dienerſchaft ſich darüber luſtig machen wird?

Heinrich nickte; er ſchritt raſch auf ſeine Mutter zu, die mit freudeſtrahlendem Geſicht ihm entgegen kam.

Geh' hinein, ſagte er leiſe,überall gaffen die Diener, das Brautpaar muß man unbemerkt abziehen laſſen.

Verdutzt blickte die alte Frau den Beiden nach, die mit ſtolz erhobenem Haupte die Treppe hinunter ſtiegen.

Sie ſchüttelte den Kopf, eine ſolche Zurechtweiſung war ihr noch nicht vorgekommen.

Aber Heinrich mußte ja wiſſen, was ſich ſchickte, es war viel⸗ leicht beſſer, daß er ſie darauf aufmerkſam gemacht hatte.

Sie kehrte in den Saal zurück, und das ſtolze, ſelbſtbewußte Lächeln umſpielte wieder ihre Lippen, als ſie neben dem alten Buchhalter Platz nahm. 3