Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 4. Band (1859)
Entstehung
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Auf der kleinen Erhöhung am Vordertheil des Schiffs blieb der Kaiſer ſtehen, und ſchauete hinüber nach der franzöſiſchen Brigg, welche ihn hergebracht, und die jetzt bereit war, in den Hafen zurückzuſegeln.

Die ganze Mannſchaft des franzöſiſchen Schiffes war auf dem Deck aufgeſtellt, alle Geſichter waren dem engliſchen Schiff zugekehrt, Aller Augen waren auf den Kaiſer geheftet, der da, allein, die Arme in einander geſchlagen, das bleiche Antlitz beſchattet von dem kleinen dreieckigen Hut, auf dem engliſchen Schiff ſtand, und ſeine düſter flammenden Blicke auf ſie heftete.

Das Zeichen zur Abfahrt ward gegeben, und jetzt ſchwenkten die franzöſiſchen Soldaten und Matroſen ihre Mützen, ihre Arme empor, und mit lautem, donnerndem Brauſen tönte es herüber: Vive l'Empereur! Vive[Empereur!

Es war das letzte Mal, daß Napoleon dieſen Ruf vernahm!

Am andern Tage lichtete der Bellerophon die Anker, um nach England zu ſegeln, und dort, wie der Kaiſer meinte, ihn und ſein Ge⸗ folge an das Land zu ſetzen.

Aber die Tage vergingen, der Bellerophon war ſchon in dem Hafen von Plymouth angelangt, und immer noch war keine Kunde von England gekommen, immer noch wußte Napoleon nicht, ob der Prinz⸗ Regent ſeinen Wunſch genehmigt habe, ob er ihm geſtatten wolle, in England als Hauptmann Durve ſich niederzulaſſen.

Endlich, am achtundzwanzigſten Juli, kam Gourgaud, aber er brachte den Brief Napoleons an den Prinz⸗Regenten wieder mit ſich. Man hatte ihn nicht an der engliſchen Küſte landen laſſen, man hatte ſein Schreiben zurückgewieſen, weil der Prinz⸗Regent feierlich er⸗ klärt hatte, weder eine ſchriftliche noch mündliche Botſchaft empfangen zu wollen.

Das Gefolge Napoleons nahm die Nachricht mit Entſetzen auf, aber der Kaiſer ſelbſt blieb ruhig. Er blieb auch dann noch ruhig, als Bertrand und Savary ihm von den Gerüchten Nachricht gaben, welche ſich auf dem Schiff verbreitet hatten, welche vom Lande herüber⸗ geweht waren, und die Einer dem Andern in's Ohr flüſterte, von den Gerüchten, welche ſagten, daß England Napoleon als Gefangenen be⸗