706
ſind, und daß wir mit ihnen reden wollen in unſerer Sprach'! Aber ſie verſtehen ſie nicht, und wollen ſie auch nicht lernen, und ſind über⸗ haupt noch immer übermüthig und unangenehm. Ich wollt', wir wä⸗
ren erſt hier fort aus dem abſcheulich ſchönen Schloß! Was geht mich
die Pracht an, die mir nicht gehört! Ne Bauernhütte, die mir gehört, iſt mir lieber als all' die Herrlichkeit hier, und'ne Biene, die in mei⸗ nem eigenen Bienenkorb ſummt, iſt tauſend Mal mehr werth, als all' die goldenen Bienen da auf Ihrem Sopha.
Haſt Recht, Pipenmeiſter, ſagte Blücher, behaglich ſeine Pfeife dampfend, die goldenen Bienen haben dem Bonaparte nicht ſo viel Honig geſammelt, als'ne einzige Biene ſammelt, die der liebe Gott geſchaffen hat. Na, ſei man ruhig, Pipenmeiſter, wenn wir nun wie⸗ der nach Kunzendorf heimkehren, und ſo Gott will, ſoll das bald ge⸗ ſchehen, dann ſollſt Du auch Deinen eigenen Bienenſtock haben, und Dein eigenes Haus. Hab' mir ſchon Alles hübſch ausgedacht, wie's werden ſoll, und was ich aus Dir machen will, und hab' ſchon mei⸗ nen Schlachtplan fertig. Du haſt mir allzeit treu und mit rechter Herzenslieb' gedient, und ich bin Dir dafür, und auch für den Hieb bei Ligny— Du weißt doch noch, wo ich Dein Pferd durchſäbelte, und Du drunter zu liegen kamſt,— bin Dir für Alles das noch Deine Belohnung und Bezahlung ſchuldig.
So, Herr Fürſt, rief Chriſtian trotzig, Sie wollen mich bezahlen und ablohnen, Sie denken, das geht man ſo. Ich kann Ihnen aber
fagen, daß der Chriſtian Hennemann nicht den ganzen Krieg als tapfe⸗
rer Pipenmeiſter mitgemacht hat, und in Sturm und Kanonendonner und Kartätſchenhagel immer dicht hinter ſeinem tollen Feldherrn ge⸗ blieben iſt, blos um nachher bezahlt zu werden. Um Geld und Lohn hätt' ich nicht meine Arm und Beine zerſchlagen und zerſchießen laſſen, und's Vaterland hab' ich juſt auch nicht damit gerettet, daß ich, wenn die Kugeln ſauſten und die Kartätſchen pfiffen, doch immer'n Stum⸗ mel für den Feldmarſchall bereit hielt. Ich hab's blos gethan, weil ich meinen Feldmarſchall lieb habe, weil er meinem alten Vater ſo'n ſchönes ſorgenloſes Leben bereitet hat, weil er ſich meiner erbarmt, und aus'nem dummen Dorfteufel, der ich war, als ich zu Ihnen kam,
F e—
—
—


