Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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ausſtreckte nach fremden Thronen und nach fremden Kronen. Will keine Aehnlichkeit haben mit dem Bonaparte. Es ſoll nicht von mir geſagt werden, daß ich mein unglückliches Volk abermals, da es kaum ſeine Todten begraben, und noch nicht einmal von den Wunden ge⸗ neſen, wieder zu unſeligem Blutvergießen hinausjage. Nein, nein, ſage ich! Ich bin kein eroberungsſüchtiger Mann, und ich will keinen neuen Krieg! Ich will nicht den Fluch meines Volkes auf mich laden, blos um meine Grenzen zu erweitern.

Und doch, Majeſtät, würde in dieſer Erweiterung der Grenzen Ihres Landes Ihrem Volk Glück und Wohlſtand erblühen, und Ihr Volk würde Sie dafür ſegnen, ſagte Hardenberg innig. Es iſt wahr, die Dinge haben ſich verwirrt, und für den Augenblick iſt der politiſche Horizont bewölkt. Aber dieſe Wolken werden und müſſen vorüber⸗ gehen, und Preußens gerechte Sache wird den Sieg davon tragen über die Eiferſucht Oeſterreichs und die Händelſucht Frankreichs. Preußen kann und darf nicht aus dieſem ſchrecklichen Kampfe, worin es ſo große und edle Anſtrengungen gemacht hat, in einem beſchämenden Zuſtand von Schwäche hervorgehen. Preußen kann nicht zuſehen, wie ſie ſich hier Alle, Alle vergrößern, abrunden, Sicherheit gewinnen und zwar größtentheils doch nur durch ſeine Anſtrengungen. Man kann Preußen doch nicht mit irgend einem Schatten von Recht zumuthen, daß es ganz allein ſo ſchmerzliche Opfer bringe, blos zur Satisfaction der Andern. Nein, dies können, dies dürfen Ew. Majeſtät nicht zugeben, und lieber müſſen Sie Alles Andere auf's Spiel ſetzen.*)

Das heißt, lieber muß ich mein eigenes Land, das, was ich jetzt beſitze, auf's Spiel ſetzen, ſagte der König heftig. Denn in dieſem Krieg, den ich unternehmen ſoll, würde nicht allein Oeſterreich und Frankreich mir gegenüber ſtehen, ſondern auch Baiern, Würtemberg und die Herzogthümer Sachſen.

Aber Rußland wird zu Ihnen halten, Majeſtät, und es wäre überdies nicht das erſte Mal, daß Preußen dem ganzen Deutſchland

*) Hardenbergs eigene Worte. Siehe: Pertz, Leben Steins. IV. 229.

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