Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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vertauſchen möchte, ich, der hinfort nur leben wird, um Ew. Majeſtät zu dienen und an der Erfüllung Ihrer Wünſche zu arbeiten! Ich bin freilich kein mächtiger Fürſt, ich habe keine Länder und keine Kronen zu ver⸗ geben, aber ich habe einen tapfern Arm, und ein kühnes Schwert, und Beide ſind Ihnen geweiht. Ich habe eine Stimme, die laut genug iſt, um das Feſtgetöſe und die Muſik des Congreſſes zu durchſchallen, und inmitten ihrer Conferenzen, ihrer Bälle und Maskeraden ſollen die Herren, die da in Wien die Welt unter ſich theilen und verſchenken wollen, immer dieſe meine Stimme hören, welche ruft: Gerechtigkeit für die Kaiſerin Marie Louiſe! Man hat ihr das Herzogthum Parma verſprochen, man muß das Verſprechen erfüllen! Marie Louiſe ſoll und muß Herzogin von Parma werden!

Geſegnet ſei der Tag, an dem ich abreiſen kann in mein neues Herzogthum, ſeufzte Marie Louiſe, geſegnet ſei der Tag, wo ich dieſes Wien verlaſſen darf, in welchem man mich heute ſo tief beleidigt und gekränkt hat!

Aber Ew. Majeſtät glauben nicht mehr, daß ich Theil gehabt habe an dieſer verabſcheuungswürdigen That?

Nein, ich glaube es nicht mehr, und ich will Ihnen einen Beweis davon geben, ſagte Marie Louiſe ſanft. Ich beauftrage Sie als meinen Ehrencavalier und Ober⸗Stallmeiſter, mir ſogleich andere Lvréen für meine Dienerſchaft zu beſtellen, auch Sorge zu tragen, daß man das Kaiſerwappen an meiner Kutſche übermale, und es durch das Wappen Oeſterreichs erſetze. Wieder ſchwindet eine Erinnerung an meine ſtolze und ſchöne Vergangenheit dahin, und indem ich meine Livréen und meine Wappen ändere, bekenne ich es demüthig aller Welt: ich bin nicht mehr die Kaiſerin Marie Louiſe! Ich bin jetzt nur eine Frau ohne Namen, Rang und Stand, und ich werde ſchon glücklich ſein, wenn man mir bald erlaubt, mich die Herzogin von Parma zu nenten!

Während Marie Louiſe mit ihrem Ehrencavalier, dem Grafen Neipperg, in ihrem Cabinet verweilte, ſaß die Gräfin Brignole vor ihrem Schreibtiſch, und mit raſcher, flüchtiger Hand ſchrieb ſie:Man bereite Alles vor zur Flucht, man beſorge einen Männeranzug, halte