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Da ich nicht mitten durch das franzöſiſche Lager reiten konnte, mußte ich einen Umweg über Gumbinnen machen. Das hat mich um vier Stunden aufgehalten.
Geben Sie Ihre Depeſchen! befahl der König.
Major Thile reichte ihm ein großes verſiegeltes Papier dar. Der König ſtreckte ſchon die Hand aus, um es zu nehmen, dann auf einmal zog er ſie wieder fort und trat einen Schritt zurück.
Nein, ſagte er, es ziemt einem König nicht, von einem hochver⸗ rätheriſchen Unterthan, einem verbrecheriſchen Soldaten Briefe zu em⸗ pfangen. Nehmen Sie, Herr Staatskanzler, erbrechen Sie dieſes Schreiben und leſen Sie es mir vor. Geben Sie es Sr. Excellenz.
Major Thile reichte Hardenberg den Brief dar, und, indem er es that, begegneten ſich die Blicke der beiden Männer. In den Augen des Majors ſtand eine bange angſtvolle Frage, die Augen Hardenbergs gaben eine traurige, ſchmerzliche Antwort, und beide Männer konnten den Seufzer nicht unterdrücken, der ihre Bruſt beengte.
Leſen Sie! ſagte der König, indem er in die Fenſterniſche trat und ſich dort, die Hände über die Bruſt gefaltet, ſo hinſtellte, daß die Vorhänge ſein Geſicht beſchatteten und es dem Anſchauen der beiden Herren entzogen.
Hardenberg entfaltete das Papier und las:
„An Se. Majeſtät den König!
„Tauroggen, den 30. December 1812. „Durch einen ſpätern Abmarſch wie der Marſchall, durch die vor⸗ „geſchriebene Marſchdirection von Mitau auf Tilſit, bloß um den „Rückzug der ſiebenten Diviſion zu decken, durch böſe Wege und endlich „durch ungünſtige Witterung in eine höchſt nachtheilige Lage verſetzt, „habe ich mich genöthigt geſehen, mit dem kaiſerlich ruſſiſchen General⸗ „major Diebitſch die Convention abzuſchließen, welche ich Ew. Majeſtät
„hiermit allerunterthänigſt zu Füßen lege. „Feſt überzeugt, daß bei einem weitern Marſch die Auflöſung des „ganzen Corps und der Verluſt ſeiner ganzen Artillerie und Bagage ebenſo unausbleiblich geweſen ſein würde, wie bei der großen Armee,


