. Das unterbrochene Souper.
Es war am vierten Januar 1813. Die großen officiellen Feſtlich⸗ keiten und Gratulationscouren, mit denen man den Beginn des neuen Jahres gefeiert hatte, waren jetzt beendet, und nach den von Amts⸗ wegen veranſtalteten Diners konnte man ſich jetzt wieder dem behag⸗ lichen Genuß kleiner, freundlicher Soupers hingeben, bei denen man ſich mehr mit der Betrachtung über die Vorzüglichkeit der duftenden Weine und der auserleſenen Speiſen, als mit langen officiellen Toaſten und politiſchen Reden zu beſchäftigen hatte.
Ein ſolches freundſchaftliches Souper gab heute der Marſchall Augereau in Berlin ſeinen Auserwählten zur Entſchädigung gleichſam für das große Feſteſſen von hundert Gedecken, das er am erſten Januar als officieller Vertreter des Kaiſers Napoleon veranſtaltet hatte.
Heute ſpeiſte man nur im kleinen, behaglichen Salon, und es war nur ein petit comité, das da um den runden Tiſch in der Mitte des Saales verſammelt war. Aus fünf Herren nur beſtand dieſes Comité, aus fünf Herren mit behaglichen, freundſelig lächelnden Geſichtern, mit goldgeſtickten Uniformen, auf deren linker Seite viele Ordenskreuze und Sterne funkelten und den hohen Rang und Stand der kleinen Tiſch⸗ geſellſchaft bekundeten.
Da war zuerſt der Marſchall Augereau, der Gouverneur von Berlin, einſt ein ſo wüthender Republikaner, daß er ſogar Jeden in ſeiner Armee⸗Abtheilung mit dem Tode bedrohte, der ſich der verpönten Titel„Monſieur“ oder„Madame“ als Anrede bediente, jetzt der leiden
ſchaftliche Imperialiſt, der glühende Bewunderer des Kaiſers Napo⸗ Miühlbach, Napoleon. UI. Bd. 12


