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Oeſterreich kommen? Oh, ich weiß wohl, daß das Volk ſich dergleichen Obervormundſchaft nicht mehr gefallen laſſen, daß es ſich dagegen em— pören würde, und daß, wenn man es verſuchen wollte, ihm ſo ſeine Geiſtesnahrung zu verſtümmeln, es ganz gewiß auch bei uns zu einer Revolution käme, wie in Frankreich zu Zeiten meiner unglücklichen Tante Marie Antoinette.“
Das ſagteſt Du? fragte Leopoldine erſtaunt. Aber wo fandeſt Du nur den Muth und die Worte?
Ich muß Dir geſtehen, ſagte Marie Louiſe, ich hatte ſchon ſeit drei Tagen darüber nachgedacht und mir im Geiſte dieſe kleine Rede gemacht und auswendig gelernt, um ſie bei der erſten ſich darbietenden Gelegenheit der Frau Oberhofmeiſterin vorzutragen. Ich habe es end⸗ lich ſatt, immer noch wie ein Kind behandelt zu werden, da ich doch ein erwachſenes Mädchen bin, das alle Tage vermählt werden kann.
Ach vermählt, ſeufzte Leopoldine. Wer weiß, an was für einen ſchrecklichen Fürſten man uns vermählt. Denn gefragt werden wir natürlich nicht, und es wird uns nicht ſo gut als den Töchtern ge⸗ wöhnlicher Menſchen, die, wie mir meine Kammerfrau erzählt hat, immer nur den Mann heirathen, der ihnen gefällt und den ſie lieben. Wir Prinzeſſinnen müſſen Männer heirathen, die wir noch niemals ge⸗ ſehen, mit denen wir erſt nach der Vermählung das erſte Wort ſprechen, und die uns vielleicht ganz und gar nicht gefallen.
Gleichviel, die Vermählung macht uns doch frei, rief Marie Louiſe ungeduldig. Wir ſind dann wenigſtens doch unſere eigenen Herrinnen und haben nicht mehr nöthig, uns dem Zwang der Oberhofmeiſterinnen unbedingt zu fügen. Du ſiehſt das an unſerer zweiten Mutter, der Kaiſerin Ludovica. Sie hat durch eigene Machtvollkommenheit die Etiquette bei Seite geſchoben und hat jetzt jeden Abend von acht bis zehn Uhr bei ſich offenen Zirkel, wo ſie nicht die Hofchargen empfängt, ſondern zu denen ſie Einladungen ergehen läßt, oft an ſolche Perſonen ſogar, die nicht einmal dem höchſten Adel angehören.
Uns ladet ſie aber nicht dazu ein, rief Leopoldine ſpöttiſch. Wir ſind ihr vielleicht von zu hohem Adel. Aber Du haſt Recht, Louiſe,


