Teil eines Werkes 
2. Abtheilung, Napoleon und Königin Louise;; 3. Band (1859)
Entstehung
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Spitze zu bieten. Oeſterreich würde ſich wider Sie erheben, denn, welche Anerbietungen Sie ihm auch machen könnten, es würde den Kampf der Verzweiflung einer Theilung der Türkei vorziehen. England würde ſeinen Welthandel gefährdet ſehen und mit dem Fanatismus ſeines be⸗ drohten Eigennutzes in den Kampf gehen, den außerdem die Türkei ſelbſt mit dem Fanatismus bedrohter Nationalität beginnen würde. Wo ſind die Heere, welche Ew. Majeſtät der vereinten Macht von England, Oeſterreich und der Türkei entgegenſtellen könnten? Sie haben freilich ein Heer an der Donau, genügend, um der Türkei die Stirn zu bieten, aber nicht, wenn ſie aufſteht in einer allgemeinen Nationalerhebung; Ihre Hauptarmee ſteht in Finnland, und Sie haben keine Truppen übrig, um auch Oeſterreich noch zu bekämpfen. Ich allein alſo, denn es verſteht ſich von ſelbſt, daß ich Ihr treuer Bundesgenoſſe bleibe, ich würde Front machen gegen Oeſterreich, England, Spanien, und viel⸗ leicht gegen ganz Deutſchland, wenn es dieſem einfallen ſollte, ſich zu erheben. Ich könnte es freilich, denn ich beſitze Macht genug, um allen meinen Feinden zu trotzen. Aber wäre es weiſe, ſo Großes auf ein⸗ mal zu unternehmen? Und überdies wozu? Um ein chimäriſches Ziel zu verfolgen, das, wie groß und herrlich es auch iſt, doch für den Moment noch unerreichbar iſt!

Ach, ſeufzte Alexander, ich ſehe ein, daß Ew. Majeſtät Recht haben, daß ſich Berge von Schwierigkeiten um mein hehres und köſt⸗ liches Ziel aufthürmen! Ich werde mit leeren Händen einſt heimkehren müſſen zu meinen Ahnen, und wenn Peter der Große mich einſt fragt: Was haſt Du gethan, um mein Teſtament zu erfüllen? Wo ſind die Vergrößerungen, die Du meinem Reiche hinzugefügt? Dann werde ich beſchämt mein Haupt ſenken und ſagen, daß

Nein, unterbrach ihn Napoleon mit lauter, feierlicher Stimme, dann werden Ew. Majeſtät ſtolz Ihr Haupt erheben und ſagen: Schauet hin auf Rußland! Ich habe es groß gemacht nach Innen und Außen! Ich habe meinem Volk die Kultur und Bildung, meinem Lande neue Provinzen gegeben, Provinzen, welche ſeine Macht und Größe mehr und herrlicher gefördert haben, als ſelbſt Conſtantinopel es gethan hätte! Conſtantinopel iſt der goldene Traum der Phantaſie,