. Ferdinund von Schill.
Tiefe Stille herrſchte jetzt auf den weiten Thalgründen von Jena und Auerſtädt. Die Schlachten waren beendet, die ſiegreichen Franzoſen waren nach Jena gezogen zu kurzer Raſt, die beſiegten Preußen hatten ſich nach Weimar geflüchtet, oder ſchweiften angſtvoll umher auf den Feldern und Bergen, nach irgend einem Verſteck, einer Zufluchtsſtätte ſuchend, um ſich vor dem verfolgenden Feinde zu bergen.
Ein paniſcher Schrecken hatte die ganze Armee ergriffen; alle Be⸗ ſinnung, alles Ehrgefühl ſchien verloren. Jeder war nur bepacht, ſein Leben zu erretten und ſich zu flüchten vor dem mächtigen Arm der un⸗ überwindlichen Franzoſen. Hier und da gelang es freilich den Bitten und Vorſtellungen der Ofſiciere, die flüchtenden Soldaten aufzuhalten und ſie zu kleineren Corps zu vereinigen, mit denen die Officiere ſich auf den Weg machten, um ſich zur geſchlagenen und retirirenden
Hauptarmee zu begeben. Aber wo war dieſe Hauptarmee? Wohin hatte ſich der Fürſt Hohenlohe mit ſeinem beſiegten Heer gewandt? Was war aus dem Herzog von Vraunſchweig mit ſeinen Schaaren geworden? Weder die Officiere, noch die Soldaten wußten es, ſie zogen planlos auf den Landſtraßen umher, nicht wiſſend, wohin ſie ihre Schritte zu lenken hätten. Aber ſobald ihre umherirrenden Augen nur in der Ferne franzöſiſche Soldaten zu erblicken glaubten, ſtürzten die preußiſchen Soldaten in regelloſer Flucht von dannen, warfen ihre Ge⸗ wehre bei Seite, um deſto ſchneller laufen zu können, oder, wenn keine Flucht mehr möglich war, ſich auf Gnade und Ungnade den Franzoſen 1*


