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Ein paniſcher Schrecken ergriff jetzt den deutſchen Reichstag, denn dieſe ruſſiſchen und ſchwediſchen Stimmen machten jedes weitere Schweigen unmöglich. Man mußte ſprechen, ſich beſchweren, Abhülfe und Entſchuldigung fordern, denn Rußland und Schweden verlangten es mit ihrer mächtigen Garantenſtimme, die fremden Mächte verlangten von Deutſchland zu ſeinem Entſetzen, daß es ſeine Ehre wahre und vertheidige.
Aber der deutſche Reichstag wagte nicht, auf ſie zu hören, denn Frankreich forderte, daß man ſchweige, es drohte, jedes Wort der Rüge als eine Kriegs⸗Erklärung betrachten zu wollen. Die Geſandten der deutſchen Fürſten, in der äußerſten Noth zwiſchen zwei ſo mächtig drängenden Parteien, wußten indeß einen Ausweg zu finden, um Niemand zu verletzen und ihr Schweigen und ihre Parteiloſigkeit zu bewahren. Sie deſertirten! Das heißt, der deutſche Reichstag ſetzte plötzlich und vor der gewohnten Zeit Ferien an, lange Ferien, und als dieſe endlich beendet waren, ſchob man die unangenehme Angelegenheit bei Seite, und ging zu einer wichtigeren Tagesfrage über.*) Dieſe wichtigere Tagesfrage aber war: Frankreich zu beglückwünſchen zur Wahl eines Kaiſers, der, wie der öſterreichiſche Miniſter auf dem Reichstage ſagte, „ganz Europa ſo koſtbar ſei, und durch deſſen Eintritt in die Reihe der Fürſten ſeine Herren Collegen ſich nur geehrt fühlen könnten.“
Man hatte geſchwiegen zu der Ermordung des Herzogs von Enghien, aber man ſprach und gratulirte zu der Kaiſerkrönung Bonaparte's, man war glücklich, in ihm den Gründer einer neuen Dynaſtie begrüßen zu können.
Napoleon Bonaparte hatte alſo jetzt ſein Ziel erreicht, er hatte den Thron in Frankreich wieder aufgerichtet, er hatte eine Krone auf ſein Haupt geſetzt. Glücklicher wie Cäſar, hatte er an den Stufen ſeines
Thrones keinen Brutus gefunden, ſondern war ihn unbehindert hinauf⸗ geſchritten unter den Zurufen Frankreichs, welches ihn ſeinen Kaiſer nannte, unter den Zurufen Italiens, welches ihn ſeinen König nannte, und ſeinen Titel einer cisalpiniſchen Republik gern abgeſtreift hatte,
*) Häuſſer. Deutſche Geſchichte. II. S. 525.


