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. Sohannes Müller.
Der Miniſter, Baron von Thugut, ging mit heftigen Schritten in ſeinem Cabinet auf und ab. Sein Antlitz, ſonſt immer von einer un⸗ duhhpringlichen Kälte und Ruhe, zeigte ſich heute heftig bewegt, ſeine ten, weißen Augenbrauen waren dicht zuſammen gezogen, und ſen hervor warfen ſeine Augen zuweilen zornige Blitze auf dieſe Depeſche, welche auf ſeinem Schreibtiſch lag und die eben ein Courier vom General Melas aus der Lombardei gebracht hatte.
Wieder eine Schlacht verloren, murmelte er, wieder dieſem Bo⸗ naparte einen neuen Lorbeerkranz auf ſein trotziges Haupt geſetzt! Dieſer Menſch wird mich noch wahnſinnig machen mit ſeinem unver⸗ ſchämten Glück! Zu denken, daß er bei Marengo ſchon beſiegt war, ſo ſicher beſiegt, daß General Melas Befehl gab zur Verfolgung des Feindes und nach Alleſſandria ritt, um da behaglich zur Nacht zu eſſen. Dieſer Melas iſt ein Eſel, der nur ſeinen Braten witterte, nicht aber den General Deſſaix, der mit ſeinen Truppen kam, uns den ſchon gewon⸗ nenen Sieg wieder zu entreißen und uns ſtatt des Sieges eine furchtbare Niederlage bei Marengo zu bereiten.*) Kurzſichtige Narren alle, unſere Feldherren und Generäle, vom lächerlich gefeierten Erzherzog Carl an bis zum General Schwarzenberg, und wie ſie alle heißen mögen, dieſe Herren mit den goldenen Epaulettes und der decorirten Bruſt und den leeren Köpfen. Ich traue Keinem von ihnen! In der Stunde der Ge⸗
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Die Schlacht bei Marengo fand am 14. Juni 1800 ſtatt
ſtatt.
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