Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Rastatt und Jena : 2. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

eimloſem nFrank⸗ hin von

lbſt der

221

Und Bonaparte ergriff mit wüthender Geberde die auf dem Tiſche liegenden Papiere und war im Begriff, ſie zu zerreißen, als Graf Cobenzl aufſprang und ihm raſch beide Hände feſthielt.

General, ſagte er flehend, was wollen Sie thun?

Was ich thun willſ? rief Bonaparte mit mächtiger Stimme. Ich will einen Friedenstraktat zerreißen, den Ihr nur mit der Feder, aber nicht mit Thaten unterzeichnen wollt! Oh, das war alſo das ſaubere Kunſtſtückchen Eurer Diplomatie. Mit Eurer Fürſtenkrone wolltet Ihr meinen Verſtand umnebeln, mit den zweihunderttauſend Seelen, die Ihr mir anbietet, möchtet Ihr meine Seele beſtechen, daß ſie die Ehre und die Größe Frankreichs verſchachere für einen elenden und kleinen Purpurmantel! Nein, mein Herr, um ſo geringen Preis iſt mir meine Ehre nicht feil. Ich ſtehe hier im Namen der franzöſiſchen Republik und fordere von Ihnen, dem Bevollmächtigten Oeſterreichs, daß Sie erfüllen, was wir in Campo Formio verabredet haben. Mainz muß unſer ſein, bevor unſere Truppen Venedig verlaſſen, verweigern Sie mir das, ſo iſt unſer Vertrag gebrochen, und der Krieg beginnt auf's Neue. Nun, mein Herr, entſcheiden Sie Sich, ich bin nur ein Soldat und verſtehe mich ſchlecht auf das diplomatiſche Handwerk, ich gehe mit meinem Schwert und meinem Wort immer grad auf ein Ziel los. Alſo kurz und gut, Herr Graf, wollen Sie Ihre Truppen aus Mainz und den übrigen Rheinfeſtungen herausziehen und unſern Truppen Mainz übergeben? Ja, oder nein!

Nun denn, rief Graf Cobenzl ſeufzend, ja, wir wollen Ihren Wünſchen genügen, wir wollen unſere Truppen aus Mainz zurückziehen und den Franzoſen die Feſtung übergeben!

Wann wird die Uebergabe ſtattfinden? So ſchnell als möglich, wenn ich bitten darf!

Alſo am neunten December, General.

Gut denn, am neunten December. Wir ſind einig!

Aber machen wir aus der Uebergabe keine feierliche Handlung, ſagte Cobenzl bittend, laſſen wir unſere Truppen in der Stille abziehen, Ihre Truppen in der Stille Beſitz nehmen, damit, wenn der Reichstag, der hier tagt, und dem der Kaiſer von Deutſchland die volle und